DESTIN fragile – Halfway To Nowhere

Fast 20 Jahre für ein Albumdebut.
Das ist tatsächlich eine lange Zeit
und gemessen an dieser Zeitspanne sind
3 Alben durchaus machbar.
Dabei sah es lange Zeit so aus, als würde
„Halfway To Nowhere“ nie das Licht der Welt erblicken.
Veröffentlicht wurde pünktlich. Und zwar um 18 Uhr 20!

Zum Glück, denn Steffan Nilsson, Daniel Malmlöf und
Mastermind Pontus Stalberg lassen mit DESTIN fragile
das bislang relevanteste musikalische Jahrzehnt in
allerhöchsten Tönen hochleben.
Fokusiert und zielstrebig wird hier nicht Pop aus der Zukunft,
der schon lange im gleichen Takt stagniert, zelebriert,
sondern die synthetisch-klingenden Jahre zwischen 1980 bis 1989.
Die technische Komponente sorgt zusätzlich
für das zeitgemäße Gleichgewicht.
„Halfway To Nowhere“ ist ein Manifest der Melodien und Hymnen.
Tanzbar, melancholisch und ungewollt an die Hochzeiten erinnernt,
an der Depeche Mode, Camouflage, The Twins und
ähnliche Combos beteiligt waren.

Zugegeben, dass ist auch das, was man von einer derartigen
Band erwartet, die auch nur ansatzweise die gleiche Sparte treffen.
Pontus Stalberg ist es zu verdanken, das Synthi-Pop mit diesem
Album auf die nächste Stufe getragen wird.
Rückblickend betrachtet gelang das zuletzt 2008 der
Ein-Mann-Formation Disreflect mit „Mnemophobia“.

DESTIN fragile – „Halfway To Nowhere“

erschien bei SCANNER (SCAN 120)
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HORSKH – DAWN

19. März 2015, Slaughterhouse Berlin.

Gespannt warteten Wir auf den musikreichen Abend mit

Chrysalide, Synapscape und dem Rhythm-Industrial-Soundtrack Durchstarter

Hologram_!

Beim Change-Over hörte ich einen Track, der im Laufe

des Abends immer wieder hervorgeholt wurde und den ich nicht vergessen konnte.

Es war eine ausgewogene Mischung aus Synth-Pop und Electronic Body Music,

angereichert mit einer Prise Monotonie aus dem Bereich Dub Step

und einem der fettesten Sidechaining – Trademarksounds,

die ich bis dahin hörte.

Ich nutzte eine bekannte App auf meinem mobilen Kommunikationsgerät.

Nach mehreren Versuchen stand fest:

Es waren die französischen HORSKH mit „Protocol“,

einem Titel aus Ihrem aktuellen Minialbum DAWN.

Ich stellte schnell fest, dass die Band sich im Dunstkreis von Chrysalide

und Hologram_ befindet, welche eng mit Audiotrauma,

einem französischen Label, zusammen arbeiten.

Simpel zusammengefasst vereinen HORSKH musikalisch die Anfänge

der EBM, bis hin zur Leichtigkeit der landestypischen Popkultur.

Es klingt zeitgemäß, TRVE und absolut authentisch.

Dabei variieren die Titel sehr stark im Wiedererkennungswert

und lösen sich so vom angespannten Klischee einer EP.

Auf DAWN klingt kein Track wie der Andere und alles

scheint mit der äußerst stark anmutenden Produktion zu beginnen.

Beispiele sind Protocol und Trajectory, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Eine leichte Aggressivität kommt dabei ebenso gut portioniert,

wie die melodische Popattitude,

die dem ganzen Release erst den richtigen drive verleiht.

HORSKH – DAWN

erschien bei Audiotrauma (trauma 25 – AMT 007)

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WULFBAND – WULFBAND

Laß man bis vor kurzem Informationen über Newcomer,

war das Interesse nach einer Hörprobe schnell verblasst.

Zu glatt, zu viel 4/4, zu wenig Punk! …schlichtweg langweilig!

Es fehlt dieser Generation einfach an Eier!

Auch die üblichen Vergleiche zu anderen Bands, deren

Bekanntsheitsgrad deutlich höher zu sein scheint, ließen mehr

Fragen als Antworten im Raum stehen.

Nicht so beim Debut der Schwedenformation WULFBAND!

Hier gibt es derbe in’s Gesicht und in die Magengegend.

Tiefe Basslines, mit LFO, Glide und Cut-Off bis zum

Anschlag gebracht, innovativ gesetzte Drums und

einen wütenden Sänger machen in erster Linie WULFBAND aus.

Zum zweiten Punkt der Hinweis, das hier Deutsch gesungen/geschrien wird.

Dieses Phänomen der Deutschkultivierung ist zwar nicht neu,

ich glaube aber das sich jemand bei WULFBAND richtig

Gedanken gemacht hat, was dort betitelt wird.

Hier wird einem nicht nur, wie so oft, etwas vorgesetzt,

sondern man wird auch zum selbst-nachdenken animiert.

Sicher, die deutsche Grammatik ist mit die schwerste der Welt,

deshalb erkennt man auch den einen oder anderen Patzer.

Aber treffende Aussagen wie „Kalt Blut – Alles Gut“,

„Sprechen Sie deutsch? Ja? Gut. NEIN!“,

„Gegen jede Stadt, Attentat – Attentat“,

oder „Aggressivität, das ist meine Identität“

sind dermaßen gut gelungen, Emotionsgeladen

Zeitlos und auf den Punkt gebracht, das ich mich frage

warum da keine deutsche Band drauf gekommen ist.

Die unglaublichen Lyrics werden gepaart mit dem

retro-frischen Sound der mittleren 80er Jahre

und einer fetten Punkattitude.

Wer die beiden offensichtlichen Bandmitglieder sind,

bleibt zunächst verborgen.

Sicher ist, das es keine Anfänger sind!

WULFBAND – WULFBAND erschien bei

Torny Gottberg’s PROGRESS PRODUCTIONS

(PROCD050 & PROLP005)

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A.I. Zero – Reality Design

Die Verschmelzung von verschiedensten Arten elektronischer Musik

in ein zusammenhängendes Produkt ist seit dem Jahr 2000 immer öfter zu hören.

Anfangs wagten sich fast ausschließlich größere Namen an solche Experimente,

mittlerweile hört man auch in den „Newcomer-Reihen“ fulminante Ausflüge.

Was genau bei Reality Design von A.I. Zero zu hören ist, lässt sich nur grob bestimmen.

Im großen und ganzen ist es sicher ein Grat zwischen

Mind In A Box und Mentallo & the Fixer.

Hier und da kommen Ausflüge in die amerikanische Zeit, als die Chemical Brothers,

Junkie XL und Massive Attack noch wahre Wunder veröffentlicht haben.

Näheres ist der Band persönlich zu entlocken. 🙂

Versucht man ein Album zu hören, das Booklet zu lesen und zu verstehen,

kann man schon so manchmal verzweifeln, bis man den Schlüssel zum Künstler

und seines Schaffens bekommt.

Reality Design ist dagegen relativ gut wahrzunehmen.

Die Klangkonstruktion ist überraschend ausgewogen,

moderne SAW-Sounds und bekannte,

aber nie langweilig programmierte Drums, legen hier den Takt vor, der sich kontinuierlich

von Song zu Song schneidet und genug Spielraum für die lyrischen Akzente lässt.

Ab und an wurde kräftig am „Unisono“ und „Stimmen“-Knopf gedreht, das bringt

extrem viel Schwung und lässt die Bässe und Melodiebögen etwas schief wirken.

Die lyrische Komponente ist äußerst erfrischend. „Mein Gewinn“ kommt ohne jegliche

Umschreibungen oder Fremdwörter aus und setzt eine klare Linie zum Thema.

Ähnlich funktionieren auch die anderen Songs, die nicht unbedingt viel

Interpretationsraum lassen, sondern das Gesamtwerk über 15 Runden

klar und offensiv in die richtige Richtung lenken,

in der A.I.Zero Ihren Longplayer Reality Design haben wollen.

Eine schwungvolle Packung Electro, klar definiert und ohne Schnörkel!

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[basementgrrr] – a certain kind of decay

Der Versuch, viele Stilelemente aus verschiedensten
Musikbereichen zu vereinen, geht meistens so richtig schief.
In den seltensten Fällen gelangt ein solcher Mix bei
gehäufter Anwendung und Beliebtheit zu Eigenständigkeit.
So geschehen bei Intelligent Dance Music (IDM), in dessen
Dunstkreis sich auch Ralf Gatzen mit [basementgrrr] begeben hat.

Es ist äußerst beeindruckend, wie auf „a certain kind of decay
verschiedenste Grundstrukturen weiterverwendet werden.
Techno und EBM werden hier mit Dubstep Barrikaden versehen
und in eine himmlische Fläche gepackt.
Diese Art ist, gerade bei IDM, nicht neu. Dennoch sehe/höre
ich hier mehr Potenzial als bei vergleichbaren Künstlern.
Stimmung und Harmonie sind dermaßen synchron, das man fast
mitsummen kann, ohne die Scheibe vorher gehört zu haben.
Hier und da gibt es ein paar Vangelis-ähnliche Ausreißer
mit Leads und Samples (siehe Blade Runner Soundtrack), die
genug Spannung aufbauen, damit man bis zum Schluss gefesselt bleibt.
Das „a certain kind of decay“ bereits in der zweiten Auflage
angeboten wird, spricht für sich.
Ein Album wie dieses, bei dessen Produktion der Künstler
über Limits hinausgeht, ist wirklich selten.
a certain kind of decay“ wurde von Dirk Geiger’s „Raumklang Music“ veröffentlicht.

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PLASTIC NOISE EXPERIENCE vs. AMNISTIA

Electronic Body Music; In keiner anderen vergleichbaren musikalischen Ausrichtung
setzen sich ihre Künstler ganz öffentlich extremen Limits aus.
Das beginnt bei der Instrumentierung, den Lyrics und endet in der überflüssigen
Aussage „EBM is non-political“.
Das Bands wie PLASTIC NOISE EXPERIENCE und AMNISTIA in der gleichen Sportart spielen,
aber in einer ganz anderen Liga, ist ganz offensichtlich.

Amnistia sind nach wie vor ihrer eigenen Gangart treu geblieben.
Tragende Vibes, doppelte und teilweise sogar dreifache Rhythmusaufbauten
und das, im bandeigenen Genre „Bodywave“ eher untypische, Aggressionspotenzial
sind aber ebenso überraschend neu, wie das äußerst gelungene Design rund um ANTI#VERSUS.
Nach dem namensbekannten Intro „Init“, diesmal in der 5.Generation, bricht mit
Catch Me“ die amnistialische Hölle los.
Rockig! Rotzig! Fett! Mir fehlen die Worte! Euer Prunkstück – Respekt!
Die Energie und Schaffensphase wird danach Stück für Stück freigelassen und
nach 4 Songs bekommt man schon einen recht guten Überblick, in welcher Welt,
namens ANTI#VERSUS, man sich befindet.
Das fast schon himmlische „Driven“ läutet die Halbzeit mit der Dark Electro Hymne
Schwarz & Licht“ ein. Dieser wird das Album in den Clubs sicher reflektieren.
Was dann folgt, kann man schon als überschaubaren Spiegel der EBM/Electro Szene bezeichnen.
Hier sitzen Cat Rapes Dog mit Haujobb beim Tee und warten zusammen auf Front Line Assembly.
Das ganze verpackt im Trademarksound dreier Burschen aus Leipzig.
Eine verlässliche Party, die die Geschichte von Amnistia garantiert weitertragen wird.

Anders als ANTI#VERSUS funktioniert THERAPY von PLASTIC NOISE EXPERIENCE.
Hier bekommt man eher den Eindruck, das die Gesamtentwicklung oder -veränderung
eine Veröffentlichung von PLASTIC NOISE EXPERIENCE nachhaltig prägt, oder zumindest beeinflusst.
THERAPY macht einen großen Bogen um alles, was es ab 2008, dem Veröffentlichungsjahr
des Vorgängeralbums „Reiz und Reaktion“ gegeben hat.
Einzig das Mittel zum Zweck und die Aussage sind hier primär: THERAPY!
Es scheint so als ob PLASTIC NOISE EXPERIENCE auch, oder gerade deswegen, bei THERAPY
für Claus Kruse einen Therapeuten darstellt.
Dabei wird auf Clubtauglichkeit („Control„, „Push and Punish„, „Communication Breakdown„)
ebenso wenig verzichtet, wie die Titel, die eine Band und ein Album erst ausmachen.
(„Last Call„, „Chapter Five„, „Feel Me„)
Dabei vergisst man aber nie, was man da gerade zu hören bekommt.
Die abstrakte Klanglandschaft, gepaart mit dem jedesmal aufs neue entworfene Schlagzeuggebilde
und dem unverwechselbarem Gesang macht THERAPY zu einem perfekt insziniertem Kapitel der Bandgeschichte.
Das Kraftwerk musikalisch nach wie vor bei Claus Kruse eine übergeordnete Rolle spielt, fällt dabei
in keinster Weise ins Gewicht, ebenso die verspielten Leadsounds, die sich quer
durch THERAPY ziehen.
Um dem Album eine Balance zu verleihen wurden zusätzlich 4 Remixe zum Ende gepackt.
Ein logischer und unausweichlicher Schritt nach dieser Therapiestunde.

Insgesamt betrachtet sollte man sich von ANTI#VERSUS und THERAPY die jeweils
veröffentlichte 2CD zulegen, die reichlich mit Remixen gespickt sind, die die
Gesamtkonstrukte sehr gut ergänzen.

AMNPNE

ORANGE SECTOR – Vorwärts Nach Weit

Zum einsetzen der dritten Welle von reaktiviertem EBM und Elektro waren plötzlich Gruppierungen wie u.a. Spetsnaz oder Proceed  in aller Munde. Im Jahr 2005 kam dann infacted recordings mit der Überraschung des Jahres: Orange Sector sind wieder da! Erst mit der Hitsammlung „Here We Are [Back Again]“, dann ein Jahr später mit der Veröffentlichung von „Bassprodukt“!

8 Jahre und 3 Alben später Ist die neu-erweckte Schaffensphase von Martin Bodewell und Lars Felker noch immer ungebrochen. Nach „Bassprodukt„, „Profound„, „Mindfuck“ und „Krieg & Frieden„, die die Messlatte Schritt für Schritt immer etwas höher gelegt haben  kommt nun der definierte Hammer mit dem Namen – VORWÄRTS NACH WEIT – !

Es ist fast schon unglaublich. Im Durchschnitt alle 2 Jahre veröffentlichen Orange Sector ein Fulltimealbum. Dabei gibt es nicht die Spur von Ideenlosigkeit und provisorischen Übergangslösungen. Das fängt bei der Lyrik an und zieht sich über die Songarrangements bis zur Instrumentierung. „Alles dreht sich im Kreis„, „John Kills“ und „Life Is Fading Away“ sind die unvorhergesehenen Hits, die man auf einem EBM Album zwar nicht erwartet, aber Orange Sector bekommen es irgendwie immer hin, solche Tracks in jedem Album einzubauen. Klassische Stomper wie „Der Maschinist“ oder „Frequenzangriff“ sind natürlich auch auf – VORWÄRTS NACH WEIT – zu finden, gerade diese beiden machen die Band so außergewöhnlich. Sie schaffen es mit Leichtigkeit, das geneigte Publikum zu bewegen und Variationen aus den umliegenden Musikbereichen so einzubinden, das es sich perfekt zur restlichen Soundstruktur ergänzt.

Insgesamt will ich hier nicht über Orange Sector und – VORWÄRTS NACH WEIT – urteilen. Als ich das erste mal Orange Sector gehört habe, war es 1994 und EBM wurde zu der Zeit nicht unbedingt von deutschen Bands dominiert, die ein ähnliches Klangbild mitbrachten. Von dem Zeitpunkt an gehörten Orange Sector zu einer Auswahl von 5 Bands, die Wir in unserer „Clique“ immer gehört haben. Von den ewigen „Cry For Belief„, „Arbeit Ist Not“ und „Kalt Wie Stahl“ Rufen in unserer Disko ganz zu schweigen. Von daher kann ich nicht anders, als vor Orange Sector den Hut zu ziehen und mich für 20 Jahre Musik und 17 Veröffentlichungen zu bedanken, die mich jetzt mein halbes Leben lang begleitet haben.

Danke Jungs.

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