Blac Kolor – Awakening

Geht das Interesse eines Musikliebhabers über die Kriterien des kommerziell-üblichen Erfolges hinaus, beginnt Musik aufregend zu werden.  Kennt man z.B. das kreative Leipziger Kollektiv um Haujobb, kommt man automatisch zum Projekt DSX und letztendlich zu der FRST (Frost) Samplerreihe, veröffentlicht von Basic Unit Productions, auf denen ich 2013 den Namen BLAC KOLOR das erste mal laß.

Schon spannend zu sehen, wie sich sämtliche Szenen in Splittergruppen aufteilen, damit etwas Neues entstehen kann. Während in den „Nullerjahren“ klare Definitionen nötig waren, um sein Produkt so weit wie es geht zu pushen, ist der Konsument heute meist reifer und neugierig genug, um selbst seinen Sound zu finden und über Schubladen hinaus zu denken. Als der Electro/Industrial gegen Ende dieser Zeit stark von der Technoszene vereinnahmt wurde, war lange nicht auszumachen, wie sich die Situation entwickeln würde. Heute scheint die Antwort klar; BLAC KOLOR 

Inzwischen schreiben wir Album Nr.3 / Veröffentlichung Nr.13 von Blac Kolor und die Schublade bezeichnet man zuweilen voller Stolz „Dystopian“, was letztendlich die kurze, aber intensive Kurzform für dunklen Techno ist. Rødhåd, Monoloc, Supersimmetria oder auch Somewhen mit Ihrem letzten Release „AFL“ gehören ebenfalls dazu. Zur Zeit ist aber allen voran AWAKENING DAS Dystopianalbum 2018! Wie schon bei den Alben „Wide Noise“ und „Born In Ruins“ zuvor, nimmt uns Hendrick Grothe mit auf eine kurze Reise in die kalten Tiefen der Elektronik. Rhythmusliebe, verstörende flimmernde Leads, Hintergrundsounds aus der Hölle und aggressiv-subversive Percussions malen ein Bild, auf dem Edgar Allan Poe mit John Carpenter und Ben Klock beim Tee zusammen sitzen. Ein Album als „Erlebnisgesamtkunstwerk“ ist wahrlich selten geworden und mit AWAKENING können wir die Uhr wieder auf Null stellen. Tanzbarkeit und Intensität sind hier ebenso im Einklang, manchmal auch im Wechsel, wie der gezielte Einsatz von Sprachsamples, humaner Nacktheit und einem äußerst gelungenen Gastauftritt. Beim Titelsong „AWAKENING“ bindet Jean-Luc De Meyer (Front 242) seinen unverkennbaren Gesang ein, der dadurch dem Album eine Ecke aus der Struktur bricht. Zu verzeihen ist da dennoch nichts, wird das Konzept doch vom Nachfolgesong „Worlds Collapse“  perfekt wieder aufgefangen. Nach einigen Durchläufen stellt man dann erschreckt fest, wie die einzelnen Songs an Fahrt und Struktur gewinnen. Eine andauernde Entwicklung ist hier nach wie vor ein Thema, welches BLAC KOLOR gerne aufgreift und der Hörer dankt es mit sogenannter „heavy rotation“.

 

BLAC KOLOR – AWAKENING

erschienen bei HANDS (HANDS D 255)

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